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Fortsetzung "Exkursion nach Greifswald"

Im Pommerschen Landesmuseum erwartete uns um 10 Uhr Herr Wartenberg, einer der leitenden Angestellten. Ich war erst zum zweiten Mal dort und war wie beim ersten Besuch sehr beeindruckt von der Atmosphäre dieses meisterhaft gestalteten und hervorragend ausgestatteten Baues, der am 03. Juni 2005 nach knapp zehnjähriger Bauzeit eingeweiht werden konnte, nachdem bereits im >Jahre 2000 die Gemäldegalerie eröffnet worden war.
Es ist kaum zu glauben, dass dies einmal "das graue Kloster" gegründet vom Franziskaner-Orden war, in dem später noch bis 1999 ein Altersheim untergebracht war.
Ich vermag nicht zu sagen, welche der Abteilungen die Besucher am stärksten beeindruckt.
Für mich war es ein großes Erlebnis, gleich am Anfang in der Gemäldegalerie die

Ruine in Greifswald
Ruine in Greifswald
Bildquelle: Daniel Bleyenberg / pixelio.de
http://www.pixelio.de/details.php?image_id=235632&mode=search

Gemälde aus unserem Städtischen Museum in Stettin auf der Hakenterrasse wiederzusehen, die uns seit frühester Jugend bekannt und vertraut sind. Sie haben nun nach den Wirren des letzten Krieges mit den Stationen Coburg und Kiel hier ihren endgültigen Platz gefunden. Das Pommersche Landesmuseum ist durch seine Gemäldesammlung überregional bekannt. Hervorzuheben sind u.a. die Bilder aus der Zeit der Romantik des aus Greifswald stammenden Malers Caspar David Friedrich und seines in Wolgast geborenen Zeitgenossen Philpp Otto Runge.
Bevor wir den Rundgang begannen, führte Herr Wartenberg uns in die Konzeption des Museums ein, das die Geschichte, Kultur und Kunst der Provinz Pommern in Vergangenheit und Gegenwart bewahren und dokumentieren soll. Dabei sollen die historischen und gegenwärtigen Beziehungen zu den Ostseeanrainerstaaten Berücksichtigung finden. Unter ihnen besteht eine besondere Verbindung zu Schweden, unter dessen Regierung Vorpommern vom Ende des Dreißigjährigen Krieges ( 1618 – 48 ) bis zum Wiener Kongress (1815) stand.
Die räumliche Gestaltung des Museums ist eine architektonische Meisterleistung. Um eine "Museumsstraße" gruppieren sich die vier Gebäude, die durch sie zusammengefügt wurden. Ein großer Lichthof mit einem gläsernen Dach kann als Veranstaltungsraum genutzt und mit dem angrenzenden Restaurant verbunden werden.
Wir gingen vorbei an einer Gruppe von kleinen Kindern, die artig und aufmerksam zuhörten.
Dies beweist, dass das Bildungskonzept des Museums für alle Altersgruppen erarbeitet wurde.

Herr Wartenberg nahm sich Zeit, uns treppauf, treppab vom Untergeschoss, das der Frühgeschichte Pommerns gewidmet ist, bis unters Dach zu führen, wo sich Ausstellungsräume mit Exponaten aus dem bäuerlichen Lebens-und Kulturkreis Pommerns noch im Aufbau befinden.
Ich möchte nicht auf jede Abteilung des Museums ausführlich eingehen. Jeder in sich geschlossene Themenkreis ist in gediegener Art und Weise sachgemäß und zugleich künstlerisch mit vielen Exponaten gestaltet und didaktisch gut aufbereitet worden.
Doch der hohe, leicht abgedunkelte Raum mit dem Croy-Teppich soll besonders erwähnt werden. Dieser Wandteppich, ein Meisterwerk niederländischer Gobelinarbeit, der 6,90 m breit und 4,46 m hoch ist, erinnert an das Pommersche Herzogshaus und an die Reformation. Ernst Bogislav von Croy der Sohn der Herzogin Anna von Croy, der letzten aus dem Pommerschen Herzogshaus, vererbte den Wandteppich im Jahre 1684 der Universität Greifswald. Er verband damit die Verpflichtung, ihn alljährlich am 7. Juli, dem Todestag seiner Mutter, öffentlich auszustellen. In späteren Jahrhunderten wurde er nur alle zehn Jahre gezeigt, um ihn zu schonen. Nun hat dieses Kunstwerk einen würdigen Platz gefunden und kann täglich bewundert werden, ohne Schaden zu nehmen. Mit den lebens-großen Gestalten Dr. Martin Luthers, Johannes Bugenhagens und Philipp Melanchthons und der Mitglieder des Pommerschen und Sächsischen Herzogshauses dokumentiert es die Bedeutung der Reformation für Pommern.
Zum Schluss blieb noch ein wenig Zeit, den ebenfalls sehenswerten Museumsladen aufzusuchen. Unter vielen schönen Angeboten wählte ich einige Kunstkarten von C.D. Friedrich, u.a. ein wenig bekanntes Bild "Der Abend".
Inzwischen war es Mittagszeit, und wir machten uns auf den Weg zur Mensa der Uni in der Innenstadt. Greifswald hat weitgehend zu seinem alten Stadtbild zurückgefunden. Die im Jahre 1990 marode wirkende Stadt wurde saniert, was nicht bedeutet, dass nichts mehr zu tun wäre. Leider bekam das schöne Rathaus einen roten Anstrich. Schade! Um die Mensa herum erlebten wir das "junge Greifswald". Hunderte von Fahrrädern waren dort abgestellt. Hunderte von jungen Menschen – Studenten und Studentinnen – gingen ein und aus oder saßen an langen Tischen und verzehrten ihr Mittagsessen. Trotz der Fülle ging es sowohl an der Essensausgabe wie an den Tischen rücksichtsvoll und gesittet zu. Auch wir "Alten " waren willkommen und erfuhren Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme. Ein Haus voller Leben, das Zuversicht weckt!
Nach kurzer Freizeit ging es zur Universität, vorbei am Markt mit der dahinter liegenden mächtigen Marienkirche, vorbei am Dom, der früher nur Nikolaikirche genannt wurde. Beide Kirchen sind zusammen mit den beiden Treppengiebelhäusern am Markt schöne Zeugnisse der Backsteingotik und prägen mit der kleineren Jakobikirche das Panorama von Greifswald.
Gegen 15 Uhr trafen wir uns vor der Ernst-Moritz-Arndt-Universität am Rubenow-Brunnen, einem Bronze-Denkmal, das zu Ehren von Bürgermeister Heinrich Rubenow geschaffen wurde. Er gründet die Universität im Jahre 1456.
In der Abteilung "Altes Buch" der Universitätsbibliothek erwartete uns um 15 Uhr der Bibliothek und Leiter dieser Abteilung Herr Ivo Asmus. Das altehrwürdige Gebäude hätte es verdient, innen ein wenig überholt zu werden. Leitungen auf den Wänden, Gänge, Türen und Treppen wirken abgenutzt.
Doch der junge Bibliothekar machte diesen Eindruck wett. Hervorragend gebildet und orientiert präsentierte er uns seine Abteilung mit einem ungeheuren Schatz an alten Büchern, deren Anzahl sich allein hier auf 120.000 beläuft, wohlgeordnet in langen Regalen. Das älteste Buch wurde im Jahre 1483 gedruckt. Eine besondere Freude machte Herr Asmus uns alten Stettinern damit, dass er auf einem langen Stehtisch Bücher bereitgelegt hatte, deren Inhalt sich auf die Geschichte und Kultur unserer Heimatstadt bezieht. Viel Interesse fand ein auffallend umfangreicher, in Leder gebundener Foliant, in dem über das Geschehen in Stettin während des Dreißigjährigen Krieges berichtet wird.
Während der ganzen Zeit standen wir auf einem gitterartigen eisernen Fußboden, durch den wir aus der dritten Etage bis hinunter ins Erdgeschoss blicken konnten. Auch er und die Treppen mit Geländen r stellen ein Stück Zeitgeschichte dar. Schön, dass es erhalten geblieben ist! Leider sind viele der ausgelagerten Bücher nach dem Krieg nicht wieder hierher zurückgenkommen. Sie befinden sich heute in Thorn.
Abgesehen von ihrem umfangreichen Wissen, das beeindruckt, war es bemerkenswert, wie sehr sich sowohl Herr Wartenberg als auch Herr Asmus für ihren Fachbereich engagieren und nicht müde wurden, auch uns dafür zu begeistern.
Greifswald, das alte Gryps, unsere pommersche Universitätsstadt ist wieder eine Reise wert! Dass wir sie gemeinsam erleben durften, hat sicherlich alle Eindrücke verstärkt.
Am Abend in unserem Quartier hörten wir noch von unserem Landsmann Detlef Kirchner einen Vortrag über die Geschichte der Stettiner Hafenbahn; informativ und wie immer in Wort und Bild formvollendet gestaltet. Nach dem langen erlebnis- und eindrucksreichen Tag eine Meisterleistung des Vortragenden, aber auch der Zuhörer!

gez. Gisela Brinkmann

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